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Kopfbaumerfassung im Bochumer Stadtgebiet
Kopfweiden gehören im Bereich des Ruhrtals und der zuführenden Täler zum typischen Landschaftsbild. Sie sind ein uraltes Kulturgut.
Erst durch den wiederholten Beschnitt finden sie zu ihrer eigentümlichen Form. Der Baum mit seinen schnell nachwachsenden und extrem biegsamen Zweigen lieferte über Jahrhunderte Material für die unterschiedlichsten Zwecke. So wurden mit den Ruten Weinstöcke angebunden, Körbe, Fischreusen oder gar ganze Hauswände geflochten.
Kopfweiden sind ein wichtiger Lebensraum für viele seltene Tiere. Alte Exemplare können von mehr als 400 Insektenarten bewohnt werden. In den hohlen Stämmen und ausgefaulten Baumhöhlen brüten viele Vogelarten. Besonders der bedrohte Steinkauz ist auf die natürlichen Bruthöhlen in den Weiden angewiesen. So unterschiedliche Tiere wie Fledermäuse, Hornissen, Siebenschläfer und Wiesel finden in den knorrigen Bäumen ein Zuhause.
Da die Kopfweiden heutzutage nicht mehr genutzt und daher nur noch von wenigen Eigentümern gescheitelt werden, wachsen die Äste zu dicken Stämmen aus, werden kopflastig, verlieren den Halt und die Bäume brechen auseinander.
In den Jahren 1997 - 2001 hat der NABU Bochum die Kopfbäume im gesamten Bochumer Stadtgebiet kartiert. In einem Erhebungsbogen wurden für jeden Baum die Daten zum Alter, zum Erhaltungszustand und zur Dringlichkeit der Pflegemaßnahmen festgehalten. Schließlich wurden die gesammelten Daten für jeden Baum in ein sogenanntes Geographisches Informationssystem (GIS) eingegeben.
Im Rahmen des Projekts wurden über 640 Kopfbäume erfasst. Das Kopfbaumkataster mit allen kartierten Kopfbäumen befindet sich jetzt in der biologischen Station „Östliches Ruhrgebiet“ und wird ständig aktualisiert. Geschnittene Bäume bekommen einen anderen Pflegestatus, neu gepflanzte Bäume werden in die Datenbank aufgenommen.
Mit dem Wissen über die Anzahl und dem Pflegezustand der Kopfbäume sind in den Jahren nach den Kartierungen über 300 Kopfbäume vom NABU Bochum, vom Grünflächenamt der Stadt Bochum und einigen privaten Besitzern geschnitten worden.
Viele alte Kopfbaumreihen sind dadurch erhalten geblieben und sind z. B. im Ruhrtal, wichtige Brutplätze für den Steinkauz.


